Firefly meeting
21. - 25. Juni 2007 im Parque Biológico de Gaia, Portugal

In Nova Vila de Gaia bei Porto fand Ende Juni ein mehrtägiges Treffen von Leuchtkäferfachleuten und -interessierten aus der halben Welt statt. Der Parque Biológico de Gaia – ein grosser Park mit 70 Angestellten (http://www.parquebiologico.pt/), der der Umweltbildung dient und jährlich von 120´000 Personen besucht wird – bot nicht nur Räume für die Vorträge und Diskussionen rund um die Fireflies sowie Kost und Logis in der parkeigenen Anlage, sondern lud auch zu nächtlichen Rundgängen ein, bei welchen sich ohne weiteres 3 der 4 im Gelände lebenden Leuchtkäferarten beobachten liessen. Organisiert wurde die Tagung von Nuno Gomes Oliveira, dem Präsidenten des Parque, und Raphael De Cock aus Belgien, einem ausgezeichneten Kenner besonders der mitteleuropäischen Leuchtkäfer. Die TeilnehmerInnen aus Portugal, Italien, Belgien, Deutschland, der Schweiz, Grossbritannien, USA, Thailand, Taiwan und Japan freuten sich bei den nächtlichen Parkrundgängen sehr darüber, dass auf der Welt noch anderswo Menschen existieren mit der eigentümlichen Gewohnheit, im dunklen Wald nach kleinen Lichtern zu suchen...

Fireflyers um einen gelandeten Leuchtkäfer (links Nuno Gomes Oliveira, kniend Raphael De Cock).

Bei den im Park vorkommenden Arten handelt es sich um Verwandte der auch in der Schweiz lebendenden Leuchtkäfer: die etwas langsamer blinkende Schwesternart des Italienischen Leuchtkäfers (Luciola lusitanica), den Kurzflügler (Phosphaenus hemipterus), eine Lampyris-Art (Grosses Glühwürmchen) und ein Verwandter des Kleinen Glühwürmchens (Lamprohiza spec.). Bezeichnenderweise konnten jedoch zwei dieser Arten noch nicht bestimmt werden – trotz interkontinentalem Knowhow. Auch andere der insgesamt etwa 8-10 portugiesischen Arten sind nach wie vor unbestimmt oder sogar unbeschrieben, ähnliches gilt für die Leuchtkäfer Italiens, wo ebenfalls vieles nur vage bekannt ist. Während also die Biodiversität im Allgemeinen und die der Leuchtkäfer im Speziellen erodiert, sind nicht einmal in Europa die Arten einer so auffälligen Gruppe überhaupt bekannt!

Der gelandete Leuchtkäfer: Luciola lusitanica, männlich.

In andern Ländern, z. B. in Thailand, wo etwa 100 Leuchtkäferarten leben, ist man auch erst daran, überhaupt eine Übersicht über die vorhandenen Arten zu gewinnen. Immerhin ist die thailändische Königin Sirikit der Überzeugung, dass Leuchtkäfer gute Indikatoren für intakte Ökosysteme sind und unbedingt erforscht werden müssen: "Firefly is an indicator for non-disturbed ecological systems", meint HM Queen Sirikit, und staatliche Institutionen "should conduct studies on the relationship between fireflies and plants in their natural habitats in order to know more about their life cycle." Auch für die thailändischen Leuchtkäfer werden die Zerstörung und die Fragmentierung der Lebensräume sowie die Lichtverschmutzung als Gefährdungsursachen genannt. 

Larve von Luciola lusitanica im Parque biológico.
 

Im Verlauf der Tagung wurde über die Lebenszyklen verschiedener Arten informiert, etwa von in Ostasien häufigen Luciola-Arten, deren Larven im Wasser leben (von Wasserschnecken), über Firefly-Festivals in japanischen Städten, wo solche Arten in grossen Dunkelhäusern gehalten werden und in der Flugzeit beobachtet werden können, über synchron blinkende nordamerikanische Leuchtkäferschwärme und über die blinkende Kommunikation von Paarungspartnern, über Studien zur Aufarbeitung der Verbreitung von Glühwürmchen in England, Belgien und Deutschland, und wir vom Glühwürmchen Projekt (Ingo Rieger und Stefan Ineichen) haben über unsere Vorstellungen zur Raumnutzung von Larven, Weibchen und Männchen des Grossen Glühwürmchens berichtet (Ingo Rieger: "Why are glow-worm females sitting under a street light? – Habitat use of Lampyris noctiluca – facts and open questions") sowie über die Arbeit des Glühwürmchen Projekts (Stefan Ineichen: "The "Glühwürmchen Projekt" as an interdisciplinary project around glowworms (cooperation of zoologists, gardeners and artists)"). Für uns waren besonders die Diskussionen mit John Tyler, dem Verfasser des Glow Worm-Buches, Robin Scagell, Ernest Rice und Keith Alexander fruchtbar, die sich wie wir hauptsächlich mit dem Grossen Glühwürmchen befassen, welches bei ihnen "Lämpairis" genannt wird. Da das erste internationale Firefly meeting allen gefallen hat, soll in vielleicht zwei Jahren wieder eines stattfinden, auch Treffen der Leuchtkäferleute aus Europa, wozu sich die Schweizer in diesem Fall auch zählen dürfen, sind vorgesehen.

Verpupptes Glühwürmchen (Lampyris sp.) im Parque biológico.
Auch die im Laub versteckte Puppe leuchtet (am Hinterleib, Bauchseite). Die Umrisse der Flügel verraten, dass sich aus der Puppe ein Männchen entwickeln wird.