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Wandel der Kulturlandschaft

"Eigentlich schade. Glühwürmchen und Wiesel gibt es fast keine mehr", meint ein alter Bauer aus der Ostschweiz. Für ihn wie für Pier Paolo Pasolini und unzählige Menschen, die den Wandel der Kulturlandschaft beobachten, ist das Verschwinden der Glühwürmchen geradezu ein Sinnbild für die Verarmung der Landschaft im Verlauf der letzten Jahrzehnte.

2001 brachte eine Umfrage der welschen Naturzeitschrift "La Salamandre" (www.salamandre.ch) dagegen für die Westschweiz fast 1000 Fundmeldungen. 



Bild Karte aus Zs Salamandre

Ist es um die Glühwürmchen also gar nicht so schlimm bestellt?

Systematische Untersuchungen über frühere und aktuelle Verbreitung mitteleuropäischer Leuchtkäfer fehlen. Zahlreiche Einzelbeobachtungen legen jedoch den Schluss nahe, dass Glühwürmchen vor einigen Jahrzehnten wesentlich häufiger waren und deutlich weiter verbreitet.

Der Rückgang an Glühwürmchen-Beobachtungen liegt sowohl an BeobachterInnen wie an Glühwürmchen: Die Meldungen aus der Westschweiz zeigen, dass Glühwürmchen-Meldungen hauptsächlich aus von Menschen dicht besiedelten Gebieten kommen. Generell sind Situationen, wo wir uns nachts zu Fuss an unbeleuchteten Stellen aufhalten, durch die Benutzung von Fahrzeugen und in Folge zunehmender künstlicher Beleuchtung selten geworden.

Der festgestellte Rückgang ist trotzdem kein "Beobachtungsartefakt":

Die alte Kulturlandschaft, der die Glühwürmchen viel zu verdanken hatten, ist verschwunden. Die genauen Mechanismen, welche die Leuchtkäfer zum erlöschen brachten, sind nicht dokumentiert. Wie bei den meisten schwindenden Arten wird die Zerstörung der Lebensräume zum Zusammenbruch der Populationen geführt haben. Glühwürmchen sind auf gewisse Strukturen angewiesen, lichte, offene Vegetationsformen, oft im Übergangsbereich zu schattigen, schneckenkompatiblen Zonen, und gerade das Geflecht von Saumbiotopen in der kleinräumig gegliederten alten Landschaft ist monotonen, rationell nutzbaren Wirtschaftsflächen gewichen. Mit der Intensivierung der Landnutzung und der Aufgabe der kleinräumigen Strukturierung der Landschaft ist es eng geworden für die Leuchtkäfer. Sie finden kaum mehr Orte, wo ihre Ansprüche während des jahrelangen Larvenstadiums und der kurzen Flugzeit erfüllt sind. Und wenn es diese Orte gibt, gelangen die Tiere nicht dahin: die flugunfähigen Weibchen machen keine grossen Sprünge. Eine Neu- oder Wiederbesiedlung geeigneter Lebensräume wird nach dem Verlust der feinmaschigen Vernetzung der Landschaft durch Saumbiotope fast verunmöglicht.

Die Faktoren, welche den Johanniswürmchen an Ort und Stelle das Leben schwer machen, sind vielfältig: Bodenbearbeitung und -verdichtung beeinträchtigen Gelege und Larven, Insekten- und Schneckengifte können sie direkt oder indirekt schädigen; gedüngte, hochstehende Kunstwiesen schaffen bis an den Waldrand ein für Glühwürmchen ungünstiges Mikroklima, die Schneckenvielfalt nimmt ab und vormalige Glühwürmchen-Lebensräume werden schlicht und einfach versiegelt und überbaut, was in der Schweiz jährlich immerhin mit einer Fläche von der Grösse des Walensees geschieht.